Station 1: Alte Universität

Städtische Universität

Köln war die vierte Universität, die im Deutschen Reich gegründet wurde. Das Besondere dieser Gründung war, dass nicht ein Fürst oder die Kirche aktiv wurde, sondern eine Reichsstadt. An der Universität gab es vier Fakultäten: die Philosophische, Theologische, Juristische und Medizinische Fakultät. Die Theologische Fakultät hatte ein sehr hohes Ansehen, lehrten an ihr doch so bedeutende Persönlichkeiten wie Meister Eckhart, Johannes Duns Scotus oder Albertus Magnus. Ab 1523 stand den Theologen für die Veranstaltungen ein Neubau neben dem Südturm des Domes zur Verfügung.

Herausforderung durch den Humanismus

Seit Mitte des 15. Jahrhunderts sah sich die Universität vor großen Herausforderungen, da der in Italien ausgebildete Humanismus auch in Deutschland Anhänger fand. Ziel war es, an der Antike anzuknüpfen, die alten Quellen wieder zugänglich zu machen und die konkrete Lebenswelt wahrzunehmen. Auch in Köln wirkten gelehrte Humanisten, doch ergab sich bald ein Streit zwischen dieser neuen Richtung und der alten traditionellen Kölner Scholastik, die sich entschieden gegen den Humanismus stellte.

Adolf Clarenbach

In dieser aufgewühlten Zeit begann auch der spätere Märtyrer Adolf Clarenbach im August 1514 sein Studium an der Universität zu Köln. Im Juni 1515 schloss er den ersten Studienabschnitt ab. Nachdem er 1517 das Magisterexamen bestanden hatte, setzte er sein Studium aber nicht an einer höheren Fakultät fort, sondern wirkte als Lehrer: in Münster, Wesel und Osnabrück.

Theodor Fabricius

Für die reformatorische Bewegung in Köln war Theodor Fabricius bedeutsam. Nach kurzer Zeit in Köln wechselte er 1522 nach Wittenberg, wo er eine gründliche Ausbildung in der hebräischen und griechischen Sprache erhielt. Zurück in Köln bot er im Sommer 1526 in der Kronenburse gut besuchte Vorlesungen über die hebräische Sprache an, in denen er reformatorisches Gedankengut verbreitete. Der Rat verbot diese Veranstaltung, doch Fabricius setzte seine Tätigkeit fort. Erst 1528 wurde er erneut auffällig, seine Bücher wurden beschlagnahmt und er selbst verhaftet. Nachdem er am 22. Oktober 1528 entlassen worden war, setzte er seine Vorlesungen im privaten Rahmen fort. Im April 1529 sollte er wieder verhaftet werden, konnte jedoch aus der Stadt fliehen.

Evangelische Theologie in Köln

Die französischen Besatzer schlossen Anfang des 19. Jahrhunderts die Universität zu Köln, erst 1919 wurde sie wiedereröffnet. Seit den 1970er Jahren gibt es an der Universität zu Köln wieder eine Einrichtung zur Ausbildung evangelischer Religionslehrkräfte. Seit 2007 kooperiert das „Institut für Evangelische Theologie“ der Universität zu Köln mit der Evangelisch-Theologischen Fakultät Bonn und kann so für die Studiengänge aller Schularten ein umfassendes Lehrangebot anbieten.

Ort der Station 1

Die alten Gebäude der Theologischen Fakultät lagen nach der Meinung von Kirchengeschichtlern hinter der Kirche St. Andreas. Hier befindet sich heute ein kleiner Platz, auf dem in Zukunft eine Bodenplatte die erste Station der VIA REFORMATA markieren soll.