Station 6: Augustinerkloster

Martin Luther in Köln

1264 wurde eine Niederlassung des Augustiner-Eremiten- Ordens in Köln zum ersten Mal erwähnt; ab 1280 wurde nahe des Burggrafenhofes ein Neubau errichtet. Der Orden hatte 1277 die Erlaubnis zum Beichthören und zum Predigen erlangt und konnte dadurch in die Stadt hineinwirken. Nach der Konstitution des Augustiner-Eremiten-Ordens hatte sich alle drei Jahre ein Generalkapitel zu versammeln. Um an einer solchen Versammlung teilzunehmen, reiste der Augustinermönch Martin Luther 1512 nach Köln. Die vom 8. bis zum 12. Mai stattfindende Zusammenkunft sollte die Kölner Augustiner-Eremiten stärken, die sich 1509 der strengen Richtung angeschlossen hatten. Über Verlauf und Inhalt der Beratungen in Köln ist nichts bekannt. Für die Anfänge der reformatorischen Bewegung in Köln spielte der Augusti ner-Eremiten-Orden eine wesentliche Rolle.

August Himmel

August Himmel aus Emmerich studierte ab Mitte Oktober 1516 in Wittenberg. Er ist aller Wahrscheinlichkeit derjenige, von dem die einzige Nachschrift von Luthers Galaterbrief- Vorlesung des Winterhalbjahres 1516/17 stammt, durch die Einblicke in eine frühe Phase der Entwicklung von Luthers Theologie möglich wurde. Es ist August Himmel zu verdanken, dass die Ideen Luthers in Köln bekannt wurden. Aus Wittenberg zurückgekehrt immatrikulierte er sich am 1. Oktober 1521 an der Kölner Universität. Da er einen Eid, sich Luthers Theologie zu enthalten, nicht leistete, blieb ihm der Lehrbetrieb verwehrt. Allerdings machte er in den Gottesdiensten die Kölner Bürger mit Luthers Anliegen bekannt.

Ein Hort der „Lutherei“

Mehrfach versuchte der Erzbischof, gegen den Augustinerkonvent vorzugehen; als Gespräche ergebnislos blieben, wurde der Konvent schließlich am 28. April 1523 der Kölner Theologischen Fakultät unterstellt. Doch das Kloster blieb ein Hort der „Lutherei“, sodass der Rat am 3. April 1525 auf Änderung drang. August Himmel verließ Köln wahrscheinlich im Jahr 1525. Ein „Bruder Lambert“ trat seine Nachfolge an und wirkte ebenfalls im Sinne Luthers, sodass der Rat der Stadt Köln dem Prior befahl, dieses zu unterbinden. Erst als 1533 ein Generalvikar des Ordens dafür sorgte, dass der „Convent mit tüchtigen Doctoren, Lesemeistern, Studenten und anderen Priestern“ besetzt wurde, war der Konvent „gezähmt“.

Freiraum und Impulsgeber bis heute

Das Augustiner-Kloster in Köln ist ein Beispiel für die Bedeutung, die die Aufbrüche und Reformen schon vor der Reformation und bis heute für die Kirche haben: Sie kann und muss „immer reformiert“ werden. In der Gegenwart bieten Klöster und christliche Gemeinschaften konfessionsübergreifend einen wichtigen Impuls für die individuelle Suche nach Sinn, geistiger und geistlicher Erneuerung.

Ort der Station 6

Der Augustinerplatz liegt zwischen Pipinstraße und der Hohe Straße am Rande der Fußgängerzone. Hier soll in Zukunft eine Wandplatte auf die sechste Station der VIA REFORMATA hinweisen.