Station 8: Reiterdenkmal Friedrich Wilhelm III. auf dem Heumarkt

Evangelisches Leben

Das Reiterdenkmal für den preußischen König Friedrich Wilhelm III. wurde in Anwesenheit seines Sohnes, Kaiser Wilhelm I., im Jahre 1878 enthüllt. Es hebt den in Richtung Berlin reitenden Souverän auf die Höhe der Verherrlichung. Die Skulpturen, die Vertreter des Militärs und der Zivilgesellschaft darstellen, bilden den tragenden Sockel seiner Regentschaft (1797-1840). Die verschiedenen Höhenniveaus des Denkmals eröffnen verschiedene Ebenen evangelischer Geschichte: Kirchenunion und evangelisches Leben in Preußen, der Mischehen-Konflikt der „Kölner Wirren“ und der Kulturkampf im Deutschen Reich.

Kirchenunion

Im 300. Gedenkjahr der Reformation, 1817, konnte durch König Friedrich Wilhelm III. die Kirchenunion herbeigeführt werden. Dies einte die getrennten lutherischen und reformierten Kirchen. Evangelisches Ringen um Theologie und der Verfasstheit von Kirche werden mit dem Theologen Friedrich Schleiermacher und dem Kultusminister Karl vom Stein zum Altenstein im Reliefbild der Nordseite sichtbar.

Kölner Kirchenstreit

Der Streit um konfessionsverschiedene Ehen zwischen Katholiken und Protestanten wird im mittleren Relief der Südseite in der Erläuterung des Dombaus greifbar. Denn in die Regierungszeit des Monarchen fallen die „Kölner Wirren“ von 1837, als dessen versöhnliches Ende der Weiterbau am Dom ab 1840 gesehen werden kann.

Hier wird wie später auch im Kulturkampf (ab 1870) eine Kernfrage deutlich: Darf die preußische Regierung durch ihre Maßgaben in die Glaubens- und Regelwerke der römisch-katholischen Kirche eingreifen? Es ging um die Frage, wer bei „Mischehen“ das kirchliche Bekenntnis festsetzt. Der befürchteten Protestantisierung katholischen Lebens trat Erzbischof August Droste von Vischering entgegen, was zu seiner Absetzung und Inhaftierung führte.

Dombau als zeitlose Versöhnung getrennter Kirchen

Das Relief der Südseite zeigt einige Protagonisten, die für den Weiterbau des Kölner Doms einstanden. Am Dom zu bauen, bedeutete die nationale Einheit zu betreiben. Der dargestellte Erzbischof ist allerdings der von 1824 bis 1835 amtierende, moderate August von Spiegel. Damit wird der zum Zeitpunkt der Denkmal-Enthüllung bestehende Konflikt zwischen der Staatsführung und den Katholiken übergangen. Das am Dombau erlernte Einvernehmen zwischen Kirche und Staat kann wie eine Vision von Aussöhnung betrachtet werden.

Ökumenische Aufbrüche

Viele evangelische und katholische Gemeinden haben seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) die geschwisterliche ökumenische Gemeinschaft vertieft und beispielsweise Partnerschaftsverträge abgeschlossen. Die Ökumene auf unterschiedlichen Ebenen prägt die Kölner Stadtgesellschaft durch den Auftrag zu Seelsorge, Diakonie, Bildung und Verkündigung.

Ort der Station 8

Das Reiterdenkmal für den preußischen König Friedrich Wilhelm III. steht vom Gürzenich aus gesehen weiter in Richtung Rhein auf dem Heumarkt. Hier soll in Zukunft südlich des Denkmals eine Bodenplatte an die achte Station der VIA REFORMATA erinnern.