Station 2: Domhof / Roncalliplatz

Der Kölner Dom und die reformatorische Bewegung

Als Erzbischof Reinald von Dassel 1164 die Gebeine der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln brachte, erschien der damalige Dom nicht mehr angemessen genug, um diese bedeutenden Reliquien zu präsentieren. Die bald einsetzende Wallfahrt zu den im prunkvollen Dreikönigsschrein präsentierten Reliquien führte dazu, dass Erzbischof Konrad von Hochstaden am 15. August 1248 den Grundstein für eine neue, im damals modernen gotischen Stil geplante Kirche legte. Um 1520 wurde der Bau für mehr als 300 Jahre eingestellt und erst 1880 vollendet. Für die reformatorische Bewegung spielte das Umfeld des Domes zweimal eine Rolle.

Die Verbrennung der Schriften Luthers

Der päpstliche Gesandte Hieronymus Aleander kam 1520 nach Köln, um die in der Bannandrohungsbulle gegen Luther angeordnete Verbrennung der ketzerischen Bücher des Augustiner-Eremiten durchzusetzen. Es gelang ihm, die Universität für sein Vorhaben zu gewinnen. Am 12. November wurden auf 9 Uhr alle Doktoren und Lizentiaten der Theologie auf den Domhof bestellt. Unter Anwesenheit des Kanzlers der Universität, eines Abgesandten des Erzbischofs und einiger Metropolitan-Kanoniker verdammte Johannes von Venradt die Schriften Luthers. Der Pastor der Kirche St. Johann Baptist und zugleich Professor bezeichnete die Verbrennung als notwendig. Eine wohl geringe Zahl von Büchern wurde in einer Pechpfanne verbrannt. Alle An- und Abwesenden wurden abschließend ermahnt, die in der Bulle genannten Schriften Luthers auszuliefern, um nicht der Exkommunikation zu verfallen.

Der Weg zur Hinrichtung

Am 28. September 1529 vollendete sich am Domhof das Drama um Peter Fliesteden und Adolf Clarenbach. Fliesteden war wegen seiner demonstrativ im Dom zum Ausdruck gebrachten Missachtung der Eucharistie, Clarenbach aufgrund von 23 als ketzerisch gebrandmarkter Aussagen zum Tode verurteilt worden. Es wird berichtet, Clarenbach habe noch an der Hachtpforte – dem Ausgang vom Domhof zur Straße Am Hof – ausgerufen: „O Cöln, Cöln / wie verfolgst du das wort Gottes! Es ist noch eyn nebel inn der lufft der wirt noch eynmal reisen.“ Auf dem weiteren Weg hätten sich beide gegenseitig durch Bibelworte gestärkt, das Vaterunser und die Zehn Gebote gesprochen sowie mit „heller Stimme“ das „Te Deum laudamus“ gesungen. Auf dem Richtplatz war eine Strohhütte aufgebaut. Fliesteden wurde vor dem Verbrennen erwürgt, Clarenbach ein Pulversäckchen an den Hals gebunden.

Heute besteht Meinungsfreiheit

In diesen Tagen weisen am Platz vor dem Dom fast täglich Menschen bei Demonstrationen und Kundgebungen auf gesellschaftliche und weltweite Probleme hin. Heute gilt – anders als im 16. Jahrhundert – Religions- und Meinungsfreiheit. Kontroverse Überzeugungen zu äußern, bedeutet keine Bedrohung für das eigene Leben.

Ort der Station 2

Von den Stufen des Roncalliplatzes aus bietet sich auch heute noch ein beeindruckender Blick auf den gotischen Dom und den ehemaligen Platz des Domhofes. Hier soll in Zukunft eine Bodenplatte auf die zweite Station der VIA REFORMATA verweisen.